Seit Jahrhunderten wacht Schloss Grades in wunderschöner Umgebung über das Metnitztal. An strategisch günstiger Stelle umgeben von Wiesen und Wäldern und der traumhaften Bergwelt ist es steinerner Zeuge großer Vergangenheit und Wegweiser in die Zukunft.


Frühzeit und Altertum:

Die Geschichte des Hauses reicht zurück bis in vorchristliche Zeiten. Es ist allerdings nahezu unmöglich nachzuvollziehen, wann genau die ersten menschlichen Siedlungen im Bereich des heutigen Grades gegründet wurden.
Eine Besiedelung zur Zeit des Fürstentums Noricum, wie auf der nahe gelegenen Flattnitz darf angenommen werden. Gerade das Areal des heutigen Schlosses stellt wohl den Archetyp einer keltischen Siedlung dar. Auf einem steilen Felsen gelegen, an drei Seiten von der Metnitz umflossen war der Burgberg schon damals nur sehr schwer einzunehmen. Die besondere Lage und der Einfluss des Gewässers, das heute praktisch um das Schloss herum fliest, lässt manche Menschen von einem Ort der Kraft sprechen. Eine Kraft, die möglicherweise bereits unsere Vorfahren dort suchten.

Schloss Vogelpersektive

Schloss Vogelpersektive

Fotos: Schloss Grades in Vogelperspektive

Als ziemlich gesichert gilt die Anwesenheit römischer Siedler in Grades. Ein beredtes Zeugnis stellt dabei ein römisches Sarkophagrelief in der Vorhalle der heutigen Pfarrkirche St. Andrä am Gradeser Marktplatz dar. Der aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Stammende Stein wurde bei der Errichtung der romanischen Kirche im 13. Jahrhundert wieder verwendet und dekorativ über dem Eingang eingemauert.

Römerstein

Foto:
Römerstein, 2. – 3. Jhdt. n. Chr.
Vorhalle der Pfarrkirche St. Andreas in Grades.

Mittelalter:

Die Quellenlage über die folgenden Jahrhunderte ist leider ebenfalls äußerst dürftig. Nach dem Tod der Gräfin Hemma gelangte der gesamte Landstrich um 1045 in den Besitz der Kirche und wurde vom Salzburger Fürsterzbistum verwaltet.
Die erste urkundliche Erwähnung von Grodas (slawisch: Burgstall – so wie Graz, Gradisca, etc.) findet erst 1173 statt und erwähnt eine Kapelle im Bereich der damaligen Burg. Wie weit das restliche Metnitztal zu diesem Zeitpunkt schon besiedelt war ist ebenfalls nicht geklärt.

Kapelle

Foto: Kapellentrakt außen

Kapelle

Foto: Kapelle nach dem Krieg

In den Folgejahren diente Grades neben Strassburg als Residenz der Gurker Bischöfe. Gleichzeitig war es Sitz der bischöflichen Verwaltung für das Metnitztal und ab 1301 Landgericht. Die Ausübung der Gerichtsbarkeit oblag somit dem bischöflichen Truchsess.

Wiederholt gab es damals Differenzen zwischen den Herren von Metnitz und den bischöflichen Interessen. Das führte infolge einer Fehde zwischen dem Bischof und den eigensinnigen Metnitzern dazu, dass deren Burg Trübenberg, 1302 von Herzog Rudolf III. komplett zerstört wurde.

Ab 1326 wurden an der Festung vermutlich unter Bischof Gerold von Gurk (1326-1333) bauliche Veränderungen vorgenommen.

Wie weit der Markt Grades zu diesem Zeitpunkt bereits entwickelt war, lässt sich nur schwer nachvollziehen, allerdings verfügte die Ortschaft zu diesem Zeitpunkt bereits über eine Pfarrkirche (St. Andrä 13. Jhdt.), die allerdings noch bis 1525 eine Filiale der Pfarre Metnitz geblieben war.

1346 bestätigte Bischof Ulrich III. den Gradeser Bürgern ihre Rechte. Aus diesem Dokument geht hervor, dass der Markt zu diesem Zeitpunkt bereits ein großer Handelsplatz für Vieh, Wolle, Käse sowie Wein und Bier war.

1401 kam es zwischen Bischof Johann von Gurk und den Herren Wenzel dem Hofstetter und Hansel dem Chürsner zu einer Fehde, wobei die Burg Grades angegriffen und der Ort in Brand gesteckt wurde. In all diesen Auseinandersetzungen kam der Verteidigungsanlage eine Rolle als Zufluchtsstätte für die Bevölkerung zu. Im Gegenzug dazu wurden die Bürger des Marktes Grades, wie damals üblich, zu Frondiensten im bischöflichen Schloss verpflichtet. Dazu zählten Reparaturen am Bau sowie die Bewachung und Verteidigung im Falle der Belagerung.

Zwischen 1440 und 1451 hatte Bischof Antonius Salamanca-Hoyos sich über dem äußeren Schlosstor mit einer Wappentafel verewigt, die heute nicht mehr in situ sondern seit dem 18. Jhdt. in der Einfahrt von Schloss Pöckstein zu bewundern ist.

Wappenstein

Foto:
Wappentafel Bischof Salamanca-Hoyos,
ANTHONIVS SALAMA(N)CA HOYOS PATRIA HISPANVS E(PISCO)P(V)S GVRCEN/SIS AD REPARATI EP(ISCOP)
ATVS MEMO/RIAM ME INSCVLPI IVSSIT
1533 Antonius Salamanca-Hoyos, gebürtiger Spanier,
Bischof von Gurk, ließ mich in Erinnerung an die wiederhergestellte Bischofswürde einmeißeln 1533.

Unter dem bischöflichen Pfleger Andreas Staudacher von Grades wurden zahlreiche bauliche Eingriffe vorgenommen. So wurde vermutlich ab den 1450er Jahren die gotische Schlosskapelle oberhalb des romanischen Baus aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Auch die Eselsrückenportale im Innenhof sind dieser Epoche zuzuordnen und können Aufgrund ihrer Steinmetzzeichen genau in diesen Zeitraum datiert werden.
Zeitgleich wurde ab 1453 mit dem Bau eines weiteren Gotteshauses, der Wallfahrtskirche St. Wolfgang begonnen. Die Steinmetzzeichen in St. Wolfgang sind dieselben wie jene im Schloss und damit derselben Werkstätte und Zeit zuzuordnen.

Steinmetzzeichen

Foto: St. Wolfgang, Steinmetzzeichen

Portal

Foto: Eselsrückenportale

1474 wird die Verteidigungsanlage Grades zum ersten Mal als Schloss bezeichnet und dürfte ungefähr die Ausmaße gehabt haben, die sie auch noch heute hat. Bis dahin war ausschließlich von einer Burg zu sprechen, die hauptsächlich der Verteidigung und Zuflucht diente.

Neuzeit:

1478 während der Einfälle der Osmanischen Truppen suchte die Bevölkerung in den Mauern von Grades Zuflucht und konnte sich erfolgreich verteidigen.

Bis 1519 hatten die Staudacher den Posten als bischöfliche Truchsesse inne.

Ab dem 17. Jahrhundert erfolgen weitere Umbauten, so wird beispielsweise der eindrucksvolle Turm im Innenhof angefügt, die Geschossdimensionen und Raumhöhen werden verändert und die Außenfassade wird mittels Fensterumrandungen gegliedert und dekoriert.

Renaissance Fenster

Foto: Renaissancefenster in Sgraffito Technik

Von dem Zustand der Zeit um 1680 zeugt die erste bekannte Abbildung in der Topographia Archiducatus Carinthiae antiquae & modernae completa von Johann Weichard von Valvasor.
Der Kupferstich dokumentiert nicht nur die auffällige Brücke und den Taubenschlag an der Südöstlichen Ecke des Daches, er gibt auch einen schönen Einblick ins Metnitztal, auf St. Wolfgang und Metnitz.
Bemerkenswert ist allerdings auch die Abbildung von Schloss Grades als massiger dreigeschossiger Bau, ein Ausdruck künstlerischer Freiheit bei Valvasor, der so nie der Realität entsprochen hatte.

Kupferstich

Foto:
J. W. v. Valvasor,
Ansicht von Schloss und Markt Grodas, und dem Metnitztal

Den weitaus bedeutendsten Umbau schuf Bischof Jakob Maximilian Thun-Hohenstein, der die beiden damals begehrtesten Künstler zur Ausstattung seines Hauses heranzog. Josef Ferdinand Fromiller zeichnete verantwortlich für die malerische Ausgestaltung der Säle des ersten Stocks, während der Bildhauer Kilian Pittner die Laub- und Bandlwerk-Stuckaturen herstellte.
1722 war zumindest die Neugestaltung der Kapelle abgeschlossen und der Sakralraum konnte in neuem Gewand geweiht werden.

Wappen

Foto: Wappen Bischof Jakob Maximilian
 

Deckengemälde

Foto: Deckengemälde Schlafzimmer Bischof Jakob Maximilian

Wappen Maximillian

Foto: Wappen Bischof Jakob Maximilian

Medaille

Foto: Porträtmedaille Bischof Jakob Maximilian

Bischof Jakob Maximilian residierte gern und häufig in Grades und nutzte seine Rechte als Landesherr umfassend. Spätere Generationen machten davon wesentlich weniger Gebrauch und so kam es, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. eine Tuchmanufaktur Einzug in die Prunkräume hielt.

Mit dem Bau von Schloss Pöckstein und dem Umzug der Bischöfe nach Klagenfurt verlor Grades weiter an Bedeutung.

Ab dem 19. Jahrhundert diente es vorwiegend der Nutzung für die Forstkanzlei des Bistum Gurk und als Wohnung für die Bediensteten des Bistums.
Dass das Schloss Grades in all den Jahren dennoch seine wehrhafte Ausstrahlung behalten hatte, davon zeugt eine Zeichnung des Zeichners und Kupferstechers Joseph Wagner aus der Zeit um 1840, in der ein fast unverändertes Äußeres zum heutigen Zustand zu erkennen ist.

Zeichnung Schloss

Foto: Zeichnung von Joseph Wagner, ca. 1845.

Die lange Brücke, mit der Zugbrücke am oberen Ende, blieb ungefähr bis zum Jahr 1900 erhalten. Dann wurde der Halsgraben aufgeschüttet und die Straße gepflastert. Heute zeugt nur noch der unterste Teil der Brücke beim ehemaligen Dienerhäuschen von deren Existenz.

Südfassade

Foto: Südfassade um 1900.

Noch einmal erlebte Schloss Grades turbulente Jahre während des zweiten Weltkrieges. Die wehrhaften Mauern waren gut zu bewachen und gut geeignet für die Unterbringung französischer Kriegsgefangener. Größere kriegerische Auseinandersetzungen in und rund um Grades blieben dem Ort sowie dem Schloss erspart und so überstand der Bau auch diese finstere Zeit unbeschadet.

Ein schönes Bilddokument dieser Jahre stellt dieses Ölbild dar, eine Ansicht des Innenhofes von Schloss Grades, gemalt von einem Angehörigen der Wachmannschaften der Wehrmacht während des Krieges.

Ölbild Schaller

Foto: Ölbild Schaller - Schloss Innenhof